Geschichtlicher Abriß

Im Ratzeburger Zehntenregister wurde Plüschow 1230 erstmalig erwähnt. Damals soll es in Plüschow acht Hufe gegeben haben. Offenbar war Plüschow das Stammgut der Familie von Plüskow, einer Familie des mecklenburgischen Uradels, denen noch weitere Dörfer des Amtes Grevesmühlen gehörte. Ob die von Plüskows in Plüschow wohnten ist nicht bekannt.

Ab 1450 gehörte Plüschow der mecklenburgischen Ritterfamilie von Bülow.
Die Gutsherren hatten, so auch in Plüschow, im 16. Jahrhundert das Recht sehr große Hofschläge zu bilden.
1758 erwarb der Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich Stenglin die inzwischen acht Güter der Vogtei Plüschow. Er fand in Plüschow damals ein idyllisch gelegenes kleines Herrenhaus auf einer kleinen Anhöhe am See vor.
Dorf, Wirtschaftshof und Herrenhaus waren am Rand einer während der letzten Eiszeit entstandenen Schmelzwasserabflußrinne der nördlich gelegenen Endmoräne errichtet worden. Bei Plüschow füllte sich die weiträumige Senke mit Wasser und bildete einen flachen See.

Die älteste schriftliche Nachricht über den See, damals als "Plüschauer See" bezeichnet, geht auf das Jahr 1791 zurück. Bei der Erwähnung des Poischower Mühlenbaches heißt es, dass dieser "aus dem Plüschauer See entstehet". Der Plüschower See wurde durch einen bei Neuhof und östlich von Friedrichshagen fließenden Bach gespeist.

Trotz schwieriger Zeiten während des Siebenjährigen Krieges ließ der reiche Hamburger Handelskaufmann bis 1763 für die stattliche Summe von 80.000 Reichstaler das Schloß Plüschow als Sommersitz für sich und seine Frau Antoinette, die die Tochter des Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg, Conrad Wiedow, war, erbauen.
Er plante mit einem bis heute unbekannt gebliebenen Baumeister ein stattliches und doch der mecklenburgischen Landschaft angepasstes schloßartiges Gutshaus. Auf den ältesten Ansichten des 1763 erbauten Schlosses ist dieses mit dem damals vorhandenen See erkennbar.

Schloß Plüschow ist ein bemerkenswerter zweigeschossiger elfachsiger Backsteinbau mit stattlichem abgewalmten Mansarddach und beidseitig dreieckig übergiebelten Zwerchhäusern. Auf der Hofseite befindet sich im Dreiecksgiebel eine Uhr mit Glocke. Die Eingänge an der Hof- und Gartenseite werden durch Stichbogenportalen mit Pilasterrahmungen und Bekrönungen aus Rocaillekartuschen gebildet.
Vor die rückwärtige Gartenfront wurde im 19. Jahrhundert eine Veranda angebaut.
Seine künstlerische Schönheit entfaltet das von Außen imposante, in seinen Formen jedoch schlichte barocke Schloß beim Blick in das Innere.
Bemerkenswert ist die zweiläufig ansteigende und über ein Zwischenpodest einläufig ins Obergeschoß weiter führende Treppe mit durchbrochenen hölzernen Treppenwangen. Im repräsentativen Eingangsbereich, Treppenhaus und Erdgeschoßräumen erhielten die Stuckdecken Rocailledekor. Die Räume des Obergeschosses besitzen ebenfalls Stuckdecken, einige Räume Holztäfelungen. Des weiteren gibt es kunstvoll gestaltete Kachelöfen aus dem 19. Jahrhundert und Leinwand- und Papiertapeten an den Saalwänden.
Das Gebäude ist mit Kreuzgratgewölben unterkellert.

Die Eingangsseite zeigt nach alter mecklenburgischer Überlieferung zum Wirtschaftshof, dessen beeindruckend großer Raum durch stattliche Ställe und Scheunen gebildet wurde.
Dem Schloß am nächsten lagen der Pferdestall und der Wagenschuppen. Zwei nahezu gleich große Gebäude dienten als Schafstall und als Scheune. Dem Schloß gegenüberliegend bildete die Haferscheune der räumlichen Abschluß des Wirtschaftshofes. Beiderseits dieser Scheune befanden sich noch eine Roggenscheune und ein weiteres ebenso großes Gebäude an der Dorfstraße.

1766, drei Jahre nach Erbauung des Schlosses, machte Philipp Heinrich Freiherr von Stenglin aus den Plüschower Gütern ein Familien- Fideikommiß, d.h. ein unveräußerliches und unteilbares Erbgut, ein Stammgut. Dieser Beschluß wurde von ihm jedoch schon im Jahre darauf wieder aufgehoben.

Damit war es dem ältesten Sohn des Hamburger Kaufmanns, Conrad Philipp Stenglin, 1802 möglich, sämtliche Ländereien an den damaligen Erbprinzen Friedrich Ludwig zu verkaufen. Ab 1802 gehörten Plüschow und die anderen Dörfer der früheren Vogtei Plüschow damit der mecklenburgischen Großherzogsfamilie, die die Domäne durch Pächter bewirtschaften ließ. Das Schloß wurde seit dem von den Pächtern des Großherzoglichen Haushaltsgutes bewohnt.

Der erste durch den Mecklenburgischen Staatskalender nachgewiesene Pächter war 1822 ein Neckel. Nach dessen Tod bewirtschafteten seine Erben das Gut bis 1827.
1829 folgte Johann Peter Gaettens als Pächter, 1832 Levin, Heinrich Diestel. Ludwig Distel ist von 1851 bis 1895 Pächter des Gutes Plüschow gewesen. Um 1900 bewirtschaftete R. Denecke das Gut, zwischen 1908 und dem I. Weltkrieg Wilhelm Schumann. Danach pachtete Hans Bosselmann und ab 1923 bis zum Kriegsende wirkte Hermann Wittenburg als Verwalter, der gleichzeitig Bürgermeister von Plüschow war. Die Dörfer und Güter der Vogtei Plüschow verblieben bis 1945 im Besitz der mecklenburgischen Großherzogsfamilie, die danach enteignet und deren Besitz während der Bodenreform verteilt wurde.
Bis 1832 bestand in Plüschow auch eine Ziegelei, die für Baustoffe im Dorf und darüber hinaus in der Vogtei Plüschow zu sorgen hatte. In der Zeit von 1880 bis 1918 wird die Größe des Gutes mit ca. 559 ha angegeben 1939 waren es 620,3 ha. Während der Pachtzeit der beiden Distels wurden ein Holzwärter bis 1870 und danach das Forstgebiet bis 1885 erwähnt.

Ab 1945 diente Plüschow und insbesondere das Schloß als Zufluchtsort für viele Kriegsflüchtlinge. Seit dem befanden sich im Schloß mehrere Wohnungen, die Poststelle, das Büro und das Archiv der LPG, das Büro des ABV der Volkspolizei, Kindergarten, Jugendklub und Gaststätte.

Das Schloß wurde 1951 unter Denkmalschutz gestellt und wird seit dem unter der Denkmalnummer DNK 0001063 geführt.
1988 begannen die Sanierungsarbeiten.
1990 wurde ein Förderkreis Kunst auf Schloß Plüschow gegründet und das Schloß seit dem für Künstlerateliers und Ausstellungen genutzt.