Ein außergewöhnlicher Fund kehrt an seinen Ursprungsort zurück – und eröffnet einen faszinierenden Dialog zwischen Jahrhunderten: Ein großes Fragment einer barocken Wandbespannung aus dem 18. Jahrhundert, lange verborgen und vergessen, ist gerettet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.
Eine Rettung in letzter Minute Kurz nach 1990 entdeckte ein aufmerksamer Bauarbeiter das kostbare Textil unter Papiertapeten in einem Nachbargebäude von Schloss Plüschow – versteckt unter dem Dach, dem Bauschutt nur knapp entgangen. Über dreißig Jahre lang bewahrten seine Nachkommen das Stück sorgfältig in einer Garage in der Nähe von Grevesmühlen auf, bevor sie es im Sommer 2023 dem Förderkreis Schloss Plüschow e.V. übergaben. Eine stille, beharrliche Form der Verantwortung gegenüber dem kulturellen Erbe.
Restaurierung, Forschung und Vermittlung gingen in einem gemeinsamen Projekt Hand in Hand: Unter fachlicher Leitung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD) entwickelten das LAKD und das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloss Plüschow ein Konzept, das weit über die reine Sicherung hinausging. Im Fokus standen die konservatorische Bewahrung des kostbaren Fundes, seine zukünftige Präsentation sowie neue Wege der Vermittlung – insbesondere für Kinder und Jugend¬liche. Die Restaurierung des kostbaren Fragments übernahmen die Restauratorinnen Susanne Buch (Textilrestaurierung) und Annette Seiffert (Gemälderestaurierung). Ermöglicht wurde das Projekt durch die Förderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest sowie durch Eigenmittel der Projektpartner.
Ein Fenster in die Welt des 18. Jahrhunderts Das Fragment zeigt eine prachtvolle Fantasielandschaft, in der sich Elemente italienischer, französischer und deutscher Kulturlandschaft zu einem einzigartigen Bildraum vereinen – üppige Bäume, exotische Pflanzen, Figuren in leuchtenden Gewändern. Solche textilen Wandbespannungen schmückten einst die reprä¬sentativen Räume des Adels und zeugen von einer kosmopolitischen Bildwelt, die weit über die Grenzen Mecklenburgs hinausweist. Als einzigartiges Beispiel barocker Raumkunst ist das Stück nicht nur ein kunsthistorisches Dokument, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Kulturgeschichte unseres Landes.
Geschichte trifft Gegenwart Nach aufwendiger Restaurierung hat das Fragment nun seinen dauerhaften Platz in den Ausstellungsräumen des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow gefunden – und genau dieser Ort macht den Fund besonders bedeutsam. Hier, wo zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler arbeiten, ausstellen und neue Bildwelten schaffen, tritt das historische Werk in einen lebendigen Dialog mit der Kunst der Gegenwart. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich auf Augenhöhe: Das barocke Landschaftsfragment stellt Fragen an unsere Zeit – nach Herkunft, Erinnerung und dem, was wir bewahren wollen.
Dieses Zusammenspiel macht Schloss Plüschow zu einem besonderen Ort kultureller Kontinuität: einem Haus, in dem Geschichte nicht museal eingefroren, sondern als lebendige Ressource erfahrbar wird – generationsübergreifend, offen und inspirierend.
Ein Stück Mecklenburg für alle Das wiederentdeckte Landschaftszimmer lädt ein, mecklenburgische Kulturgeschichte neu zu entdecken – nicht als ferne Vergangenheit, sondern als Teil eines fortlaufenden Gesprächs, das wir alle mitführen.
An der Umsetzung des Projektes waren viele Personen beteiligt. Alle haben einen Dank verdient. Einige von ihnen, möchten wir, der Förderkreis Schloss Plüschow e.V., namentlich erwähnen:
Dr. Dagmar Löttgen, Referentin für Stiftungsangelegenheiten bei der Ostdeutschen Sparkassenstiftung
Kay Facklam, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest
Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des Landeamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vor-pom¬mern
Udo Rathke, Künstler und ehemaliger Leiter des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow (verstorben 2024)
Miro Zahra, Künstlerin und Leiterin des Mecklenburgischen Künstlerhauses (Projektleitung)
Annette Seiffert, Gemälderestauratorin
Susanne Buch, Textilrestauratorin
Friederike Funke, Amtsrestauratorin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpom-mern
Dr. Julia Bock, Spezialistin für Tapetenforschung (Textarbeiten)
Dorothee Schmidt-Breitung, Kunsthistorikerin/Designerin (Entwicklung des kunstpädagogischen Angebotes und des Bastelbogens)
Tischlerei Podlasly
Juliane Laitzsch, Künstlerin (Konzept und Realisierung der Ausstellung ZEITREISEN)
Christoph Völzer, Fotograf
Heiko Preller, Fotograf
Nina Rathke, Drehbuchautorin (Öffentlichkeitsarbeit, Dokumentation)
Anna Pfau, Grafikerin (Dokumentation des Symposiums)